Feb 01 2005
Von Brüdern im Stich gelassen …

Seit einiger Zeit berichten wir nun über die Heimschul-Angelegenheit. In der letzten Zeit habe ich auch einige der größeren Freikirchen angesprochen, warum sie sich nicht für Heimschule bekennen bzw. gefragt, warum sie die Brüder in Paderborn im Stich lassen. Scheinbar haben die großen Freikirchen in Deutschland keine Meinung zum Thema und haben Angst, ein öffentliches Statement zu machen. Das hat eventuell auch rechtliche Auswirkungen. Die großen Freikirchen in Deutschland sind meist Körperschaft des öffentlichen Rechts. Für eine KdöR wird es evtl. rechtliche Konsequenzen geben, wenn sie etwas gegen die öffentlichen Schulen sagen. Das mögen einmal die Anwälte unter Ihnen prüfen.
Lediglich eine Antwort habe ich bekommen und zwar von Friedrich Schneider vom Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden, die sich manchmal auch “Baptisten” nennen, aber in vielen Grundlehren den wahren Charakter baptistischer Gemeinden verloren haben. Daher hat es mich nicht überrascht, daß Herr Schneider sich gegen die Heimschulpraxis äußert. Seine Äußerungen sind auf der Webseite www.idea.de zu sehen. Noch bevor er diese Äußerungen machte, erhielt ich ein E-Mail von ihm mit Aussagen, die einen enormen Wissensmangel über Heimschule ans Licht brachten. Er versucht, die Paderborner Baptisten in ein schlechtes Licht zu rücken und äußert sich sehr negativ über die rußlanddeutschen Baptisten in Deutschland, als ob ihm diese überwiegend konservativen Baptisten ein Dorn im Auge wären.
Pastor Schneider sagt in seinem E-Mail an mich: “Eine Totalfixierung auf die Eltern ist nicht sinnvoll. Ich bitte Sie also um Verständnis, dass wir gute Gründe haben, den Weg der Schulverweigerung als Irrweg anzusehen.” Ich glaube, Pastor Schneider ist auf dem Irrweg und wir sollten für ihn beten, damit sein Verhalten der Sache der Paderborner Baptisten nicht schadet. Wenn er die “Totalfixierung auf die Eltern” verurteilt, auf wen will er dann die Kinder fixieren? Linksliberale Lehrer? Die Glotze? Was für ein Konzept von Familie hat Pastor Schneider? Er spricht in seinem E-mail vom “frommen Ghetto”. Seine Sprache klingt nicht wie die eines Bibelpredigers, sondern wie die eines sozialistischen Pädagogen bei der UNESCO. In Epheser 6:4, Psalm 128 und Sprüche 22:6 predigt die Bibel wohl “Totalfixierung”. Was für ein Wort!
Also ich würde lieber in einem “frommen Ghetto” leben als in einem gottlosen, atheistischen, sozialistischen, pluralistischen Ghetto. Was für den einen ein Ghetto ist, das ist für den anderen eine Oase! Liebe Leser, ich sehne mich nach solchen frommen Ghettos (Oasen) in Deutschland. Als ich in Deutschland lebte, hat mir eins gefehlt: ein frommes Ghetto! Hoffentlich ist GuteBotschaft.com ein frommes Ghetto im weltweiten Netz.
In seinem E-Mail gibt mir Pastor Schneider keine Antwort auf meine ursprüngliche Frage, was ich tun kann, um meine Kinder von gottlosen Lerninhalten an der öffentlichen Schule zu befreien. Anstatt einer Antwort erhalte ich lediglich Anschuldigungen und Stereotypisierungen wie zum Beispiel diese: “Mit großer Bestürzung müssen wir feststellen, dass die Zahl der psychisch gestörten, drogenabhängigen und straffällig gewordenen Jugendlichen gerade aus den Aussiedler-Familien steigt. Viele, die streng erzogen wurden, finden sich nicht zurecht in unserer Welt.” Was will er damit sagen? Gelten alle Aussiedler als Baptisten? Und was hat das alles mit Heimschule zu tun? Warum ist es nicht möglich, von einer deutschen Stelle eine sachliche Antwort zu bekommen, wenn ich eine Frage stelle? An etliche staatliche und christliche Stellen habe ich diese Frage gestellt, und ich bekomme keine Antwort. Wenn ich frage, wie ich meine Kinder von gottlosen Lerninhalten in Schulen befreien kann, was hat das mit drogenabhängigen Aussiedlern zu tun? In meiner alten Heimatstadt Euskirchen habe ich solche Kerle auch gesehen. Jedoch habe ich solche Kerle nicht in der rußlanddeutschen Evangeliumschristengemeinde “Bethaus” getroffen, die sich ebenso in Euskirchen befindet. Dort habe ich einige sehr ehrliche, aufrichtige, schlichte Leute getroffen, die Gott lieben. Die Gemeinde hat versucht, die verlorenen Aussiedler, die in Probleme verstrickt waren, für Jesus zu gewinnen. Herr Schneiders Anschuldigungen kann ich also nicht bestätigen. Es mangelt an Sachlichkeit.
Es mangelt an Brüderlichkeit. Pastor Schneider redet scharf gegen andere Baptisten, die nicht der BEFG-Organisation angehören, die er vertritt. Nun, ich gehöre gar keiner Organisation an außer einer lokalen unabhängigen Baptistengemeinde. Ich gehöre nicht dem BEFG, der FeG, der ACK, der VEF, der Evangelischen Allianz usw. an. Wir vertrauen zu sehr auf diese religiösen Organisationen anstatt auf den Herrn zu vetrauen. Was mich mit anderen Christen vereint, ist allein das Blut Jesu Christi, das für uns vergossen wird und die Einheit des Geistes, der uns in einen Leib getauft hat. Mich interessiert nicht, welcher religiösen Bürokratie Du angehörst. Viele lokale Gemeinden in Deutschland sind so abhängig von Dachorganisationen und Verbänden, daß sie nicht mehr fähig sind, sich selbst lokal zu verwalten, zu unterstützen und fortzuführen.
Aus all diesen Gründen habe ich Herrn Friedrich Schneider folgendes Schreiben zugeschickt, das hier nun auch offen zu sehen ist:
Sehr geehrter Herr Schneider,
ich kann Ihre Erklärungen über die sog. “Schulverweigerer” nicht recht verstehen. Ich bin der Ansicht, daß Sie die Aussiedler aus Kasachstan zu negativ betrachten. Sie erwähnen die hohen Raten an Drogenabhängigkeit oder Straffälligkeit, aber was hat das mit Heimschule zu tun? Heimschule ist dafür nicht verantwortlich. Sie sprechen davon, daß die Kinder in die Welt gehen müssen und nicht isoliert werden sollen, um sich in der Welt zu bewähren. Bevor sie das tun können, müssen die Kinder erst einmal ein Fundament an Glauben, Werten und Überzeugungen haben. Wir senden Missionare in die Welt, aber nicht unsere Kinder, deren Verstand noch nicht ausgeprägt ist, die noch beeinflußbar sind und im jungen Alter noch nicht verstehen, das Böse zu verwerfen und das Gute zu erwählen (Jes. 7:16). Wie stehen Sie zu Sprüche 22:6? “Gewöhne den Knaben an den Weg, den er gehen soll, so wird er nicht davon weichen, wenn er alt wird.” Heimschule bietet einen idealen Weg der christlichen Gewöhnung. Ist es gute Haushalterschaft vor Gott, wenn wir die Kinder, die Er uns anvertraut hat, von Menschen gewöhnen lassen, die verloren sind, in Unmoral leben, ideologisiert sind und unseren Kindern gottlose, unzüchtige Dinge beibringen wollen? Wie verantworten Sie das vor dem Herrn? Wie sehen Sie, Herr Schneider, diese Gewöhnung? Warum dürfen die Gottlosen unsere Kinder gewöhnen, während den Gottesfürchtigen der Mund gestopft wird? Vom Staat wird ihnen der Einfluß auf die eigenen Kinder versagt. Herr Scheider, wie können Sie so etwas gutheißen?
Der Begriff “Schulverweigerer” ist ein Unwort. Das Wort an sich ist eine verleumderische Lüge. Heimschule ist Schule. Die Schule wird nicht verweigert. Sie wird lediglich verlagert. Sie wissen ja, daß Baptisten durch alle Zeitalter Opfer des staatlichen Zwangs waren. Unsere Vorgänger, die Waldenser, hatten ihre eigene Schulen. Selbst Ungläubige haben ihre Kinder dorthin geschickt, weil sie von dem heiligen Lebenswandel der Waldenser beeindruckt waren. Die Mennoniten und Amischen haben ihr eigenes Bildungswesen. Sie haben ihre eigenen Schulen. In den USA wird ihre unabhängige und erfolgreiche Schulbildung ohne weiteres geduldet. Der Bundesstaat Pennsylvania zwingt seine Vorstellungen von Schulbildung nicht den Amischen auf. So tun es auch die umliegenden Bundesstaaten. Nur in Deutschland klappt das mal wieder nicht. Das Konzept der christlichen Familie scheint den Christen in Deutschland verloren zu gehen, weil Sie von Willow Creek, Praise&Worship und PromiseKeepers eingelullt wurden und nicht mehr auf Empfang sind für die Realität.
Zwangsmaßnahmen gegen Heimschulfamilien gleichen Nazi-Methoden. Zwangsmaßnahmen gegen (gewissensbedingte) Schulpflichtverweigerer wurden gesetzlich erst seit 1938 (Reichsschulgesetz) und 1939 (Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schulen) möglich gemacht und schändlicher Weise nie explizit abgeschafft wurde. Mit Recht können wir den heutigen Politikern, die gegen “Parallelgesellschaften” aufwiegeln, sagen, daß sie sich ein wenig schämen sollen für ihre Position, denn die Idee, daß man Schulpflicht mit Zwang durchsetzen muß, kommt aus dem totalitären Nazi-Staat. So etwas hat mit dem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat, den wir Bundesrepublik nennen, nichts – aber auch gar nichts – zu tun. Die Bundesrepublik muß also zusehen, daß sie die gesetzestextlichen Altlasten von 1933-1945 restlos und ausnahmslos beseitigt. Als Baptisten sollen wir diesem staatlichen Zwang nicht zustimmen. Baptisten wollten nie etwas vom Staat als nur die reine Gewissensfreiheit. Baptisten wurden aber oft Opfer des staatlichen Zwangs wie unter der Inquisition, dem Wiedertäufermandat und etlicher anderer Gesetze.
Herr Schneider, da Sie doch einer baptistischen Bundesorganisation angehören, können Sie sich doch mit den Geschwistern bei der Southern Baptist Convention in Verbindung setzten. Die werden Ihnen sicherlich korrekte und auf persönliche Erfahrung beruhende Informationen über Heimschule mitgeben. Ich weiß, in deutschen Medien wird sehr gegen Bibeltreues gehetzt und viele aufrichtige Christen haben deswegen Ansgt, den Glaubensweg, den Bibelweg zu gehen.
Die Eltern des Mose erinnern mich an die Paderborner Baptisten von heute. Durch Glauben hielten sie Mose verborgen und fürchteten nicht das Gebot des Königs (Heb. 11:23). So halten auch die christlichen Eltern von heute ihre Kinder verborgen vor den Gefahren einer gottlosen Gewöhnung an öffentlichen Schulen. Danken wir dem Herrn für Eltern, die nicht das Gebot des Königs fürchten! Und auch nicht das Gebot der NRW-Kultusministerin. Erst als Mose mündig war, konnte er Ägypten und die Sünde verweigern und das Volk Gottes und die Schmach Christi erwählen. Heb. 11:24. Die Mutter des Mose konnte im Auftrag der Tochter des Pharaoh ein wenig Heimschule betreiben. 2. Mose 2. Das hat Mose wohl für’s Leben geprägt. Wie sehen Sie das, Herr Schneider.
Ihren Anwurf mit Johannes 17:15 halte ich für unberechtigt, da auch Heimschulkinder immer noch in der Welt sind. Sie sind nur nicht in der öffentlichen Schule. Wenn Sie Kinder in die öffentliche Schule schicken, wo Ihnen Evolution und Sexualverziehung und Schwulheit und Sozialismus beigebracht wird, damit sie sich dort “im Glauben bewähren” sollen, dann sollten auch die Erwachsenen konsequenterweise in Diskotheken, Bordelle, Kneipen, Clubs, usw hineingezwängt werden, damit sie dort “ihren Glauben bewähren” können. Das sei ferne!
Nein, Herr Schneider, Ihre Argumente aus Ihrem E-Mail und auf idea.de haben mich nicht überzeugt. Eher muß ich mich jetzt leider etwas von dem BEFG distanzieren. Das enttäuscht mich sehr, daß Sie diesen wichtigen Kampf um legale Heimschule in Deutschland nicht kämpfen wollen. Es ist nicht recht, Heimschulfamilien in die Ecke von “psychisch Gestörten” zu stellen.
Es bleibt mir lediglich, Ihnen zu danken, daß Sie wenigstens mein E-Mail beantwortet haben. Die NRW-Schulpolitiker haben weder auf meine Briefe noch auf meine E-Mails geantwortet. Das sollte Ihnen eigentlich zeigen, mit was für Leuten Sie es da zu tun haben. Die sind skrupellos, hinterlistig, unnachgiebig und völlig charakterlos. Das sollte uns doch an die Charakterliste in 2. Tim. 3 erinnern!
Es grüßt Sie im Namen des Heilandes Jesu Christi,
Ingo Breuer
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