Monatsarchiv für Dezember 2005

Dez 08 2005

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Ingo Breuer

Heimschulrevolution blüht auf vor Ort.

Abgelegt unter Homeschooling

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Übersetzt von Ingo Breuer, Artikel aus der Tageszeitung “Lebanon Democrat”, Lebanon, Tennessee, USA, 8.12.05

[Schüler]Zahlen gehen in die Höhe während sich der Trend in Wilson County [Landkreis] und in der Nation ausbreitet.

Heimschulfakten:

  • Heute werden schätzungsweise 1,6 – 2 Millionen Kinder zu Hause von ihren Eltern unterrichtet. (Brian Ray, Weltweiter Heimschulführer)
  • Hausunterrichtsschüler aus der 1. bis zur 4. Klasse sind ihren Mitschülern in öffentlichen und privaten Schulen im Durchschnitt eine Jahrgangsstufe voraus. (Scholastic Achievement and Demographic Characteristics of Home School Students in 1998, Education Policy Analysis Archives)

An diesem Morgen ist Molly Mynster, 14, bereit für ihren Schulalltag. Da ist kein eiliger Spurt zur Schulbushaltestelle und kein Ärger über Kleidungsvorschriften. Ein Mittagessen muß nicht eingepackt werden, und anstatt Bücher in einen Rucksack zu stopfen, blättert Molly durch Klaviermusikstücke, die sie später zu üben hat. Molly hat es nicht weit zur Schule. Sie ist Teil einer Bildungsrevolution, die nicht nur durch Wilson County fegt, sondern durch das ganze Land. Die Neuntklässlerin ist eines von schätzungsweise 2 Millionen Kindern in den USA, die von den Eltern zu Hause unterrichtet werden. Molly wird zu Hause beschult.

Die Entscheidung einer Familie

Im letzten Jahrzent hat es ein explosionsartiges Wachstum in der Heimschulbewegung gegeben. Konservativen Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Heimschulen in Mittel-Tennessee bei 50.000 Familien. Die Wahl der Mynsters, öffentliche und private Bildung für ihre Töchter zu meiden, war eine persönliche Entscheidung, die auf einer Zahl von Faktoren gründet. Debbie Mynster gründete vor 11 Jahren Wilson County’s erste Heimschulfördergruppe. Die Neues Leben Akademie verdoppelte sich im 2. Jahr und ist von 45 auf heute mehr als 125 Familien angewachsen. “Wir hatten uns dafür entschieden, zu Hause zu unterrichten, weil mein Mann so viel reiste,” sagt Mynster. “Aber nach dem ersten Jahr hielten uns andere Faktoren in der Bewegung. Es ging mehr darum, ihre Umgebung zu schützen und ihnen zu ermöglichen, ihren Leidenschaften nachzugehen. Beide Mädchen mußten unterschiedlich unterrichtet werden. Wir kennt sie besser als ich?” Molly Mynster verbringt täglich mehrere Stunden in ihrem Klassenzimmer zu Hause mit ihrer Mutter als Lehrerin. Sie behandeln Lehrmaterial in ungefähr der Hälfte der Zeit, die traditionelle Schüler brauchen. Da man keine Klassenräume wechselt, keine Pausen hat und nicht zur Aulaversammlung oder zur Turnhalle gehen muß, reduziert sich die tägliche Zeit. Per Gesetz ist es aber erforderlich, daß Molly jährlich 180 Tage unterrichtet wird genau wie Schüler in öffentlichen oder privaten Schulen. Aber ihr kompakter Stundenplan gibt ihr die Möglichkeit, Zeit mit ihrer ersten Liebe zu verbringen, dem Klavier. “Molly zu Hause zu unterrichten, hat es ihr möglich gemacht, ihren Leidenschaften nachzugehen,” sagt Mynster. “Sie erledigt sofort ihr Unterrichtspensum und hat dann Zeit zum Üben. Es ist eine ideale Welt.” Ein weiteres Vorrecht, das die Mynsters wahrgenommen haben, war die Gelegenheit, eine lange – zweimonatige – Klassenfahrt in den Westen zu machen als “live Geschichtslektion”. “Das war Unterricht zum Anfassen,” sagt Debbie Mynster. “Wir sahen die Wahrzeichen und lernten die Geschichte persönlich und hautnah.” Molly Mynster sagt, sie mag Heimschule. Das ist alles, was sie kennt. “Wirklich, ich mag es, lange zu schlafen,” sagt sie mit einem Lächeln. “Ich muß nicht mit dem Bus fahren, und kann an meinem Tisch Mittag essen.” Ihre Mutter sagt, sie ist einverstanden mit dem Vorrecht, länger zu schlafen. “Sie kann ein wenig länger schlafen und braucht sich nicht zum Bus zu schleppen für eine lange Fahrt,” sagt sie.

Heimschulbewegung zündet.

Eltern wie die Mynsters überall in Tennessee und in der Nation haben die Heimschulbewegung in Bewegung gesetzt. Die Zahl der lokalen Heimschulgruppen hat sich in den vergangenen Jahren vervierfacht. Dr. Brian D. Ray, Präsident des National Home Education Research Institute in Salem, Oregon sagt, daß die Zahl der Eltern, die sich für diese Form der Bildung entscheiden, jährlich rapide steigt. “Heimschule wuchs unbeirrbar in den vergagenen 20 Jahren,” sagt Ray. “Die Wachstumsrate liegt bei 7 bis 15 Prozent pro Jahr.” Ray schätzt, daß 2002-2003 ca. 1,7 bis 2,1 Millionen Kinder vom Kindergarten bis zur 12. Klasse zu Hause unterrichtet wurden. “Heimschule scheint die am schnellsten wachsende Bildungsform zu sein,” sagt Ray. Die beliebte Bewegung geht weit über Wilson County und die USA hinaus. Nach einer Studie der Home School Legal Defense Association wächst Heimschule auch in Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Mexiko und in vielen anderen Ländern. Dieselbe Studie besagt auch, daß etwa 340.000 amerikanische High School Schüler während des Schuljahres 2000-2001zu Hause unterrichtet wurden. Die alte Methode des Hausunterrichts gibt es seit es Eltern und Kinder gibt. Die Praxis, die eigenen Kinder im eigenen Haus zu unterrichten, war beinah untergegangen mit dem Kommen breit angelegter öffentlicher Zwangsbildung. Allerdings nutzten Eltern mit kranken Kindern und Familien in abgelegenen Gegenden weiterhin diese Methode, um für die Bildung ihrer Kinder zu sorgen. Die Heimschulrevolution begann in den 80ern in Wilson County und in anderen Bundesstaaten. 1985 wurde Tennessee der 37. Bundesstaat, der Heimschulauflagen annahm, die drei Optionen für Heimschule gewahren, sagt Ian Slatter, Direktor für Medienbeziehungen bei HSLDA. Er sagt, daß erleichterte Bestimmungen für die Eltern, auch ohne Lehrlizenz zu Hause zu unterrichten, der Bewegung Antrieb verschafft.

Wilson County führt die Bewegung an

Hunderte von Familien in Wilson County gehören einer sog. Schirmschule an. Mynster gründete die Neues Leben Akademie, die aus der Victory Baptistengemeinde stammt. Sie gründete die Akademie vor 11 Jahren, als sie den Lehrplan für ihre Tochter verbessern wollte. “Ich gründete eine Schule um Förderung für den Klassenraum anzubieten,” sagt sie. Der Schwerpunkt lag auf Wissenschaft und Geschichte und die Schule stammte aus der Tulip Grove Baptistengemeinde mit 45 Familien vom Kindergarten bis zur 8. Klasse. Im zweiten Jahr verdoppelte sich die Teilnehmerzahl und erweiterte sich auf einen festen Lehrplan von Geschichte und Wissenschaft. High School Lehrer wurden im 3. Jahr des Programms aufgenommen. Heute bietet Neues Leben Akademie Hauslehrarbeit von der 7. bis zur 12. Klasse an einem Tag pro Woche in der Victory Baptistengemeinde- Hinzu kommt gemeinschaftlicher Unterricht für die 1. bis zur 6. Klasse durch Heimschuleltern, die je nach Fach unterrichten. Ca. 125 Schüler sind registriert. Nach Angaben von HSLDA-Sprechern registriert nur ein Prozent der Eltern ihre Kinder durch den Bundesstaat registrieren. Wilson County Schuldirektor Phil Barnes sagt, daß 320 Heimschüler in der kirchlich verbundenen Kategorie registriert sind und 42 in der unabhängigen Kategorie. Middle Tennessee Home School Association-Stellenleiterin Bonnie Hoskins sagt, daß das Gesetz es erfordert, daß Heimschüler entweder beim Bundesstaat oder bei einer Schirmschule registriert sind. Schirmschulen in Wilson County blühen auf. Heritage Christian Academy aus der Neue Hoffnung Gemeinde hat 130 Familien registriert. Liberty Christian Academy [Freiheit Christlilche Akademie] hat 90 Familien registriert. Acorns to Oaks [Von der Eichel zur Eiche] aus der Nazarenergemeinde hat 50 Familien. Eine große Schirmschule in Mittel-Tennessee, die sehr viel Zulauf aus Wilson County hat ist Family Christian Academy [Familie Christliche Akademie] und hat mehr als 10.000 registrierte Heimschüler. Zwei Arten von Heimschulen existieren in Tennessee. Da gibt es die unabhängige Heimschule und die Gemeinde bezogene Heimschule.

Gesetzliche Hürden

Im Jahr 1993 wurden auch im Bundesstaat Michigan Heimschulauflagen anerkannt und somit wurde diese Bildungsmethode in allen Bundesstaaten legal. Vorschriften, die die Heimschulen regulieren, unterscheiden sich aber in jedem Bundesstaat. Allerdings hat die Straße zur völligen Legitimierung der Heimschulen auch ihre Unebenheiten gehabt. Anwälte, die die Bewegung verteidigen, beziehen sich oft auf Fälle, die vor dem Obersten Gerichtshof entschieden wurden, in denen die fundamentalen Elternrechte verteidigt werden, wonach Eltern ihre Kinder so erziehen dürfen, wie sie es für richtig sehen. Der Fall Pierce gegen The Society of Sisters aus dem Jahr 1925 in Oregon war ein Meilenstein. Darin wurde entschieden, daß Eltern das Recht haben, die Bildung ihrer Kinder zu leiten. HSLDA-Anwalt Dewitt Black sagt, daß dieser Fall als Verteidigung benutzt wird, um die Bewegung zu schützen. Er sagt, daß eine jüngste Herausforderung dieses Falls ein “Weckruf an die Eltern” sein soll und vom 9. US Circuit Berufunsgericht entschieden wird. Der Fall – Fields gegen Palmdale District – stammt von Eltern, die gegen den Schuldistrikt klagen, weil eine Schule in einer Umfrage junge Schüler sexuell explizite Fragen stellte. “Der Richter entschied, daß die Eltern kein grundsätzliches Recht hätten, solche Praktiken in Frage zu stellen,” sagt Dewitt. “Dies ist unter Berufung. Dies könnte die Entscheidung von 1925 anfechten. Jüngste Rechtsvorlagen im Repräsentantenhaus von Tennessee beinhalteten eine Initiative, die es einfacher machen würde für Heimschulabsolventen, für ein General Assembly Merit Stipendium zu qualifizieren. Doch die Rechtsvorlage ging im Mai 2005 unter als die Gesetzgeber vertagten. Gesetzesvorlagen für Heimschule wurden auch im vergangenen Jahr von Gesetzgebern des Bundesstaates vorgestellt. Rechtsvorlage 1297 würde Heimschülern erlauben, an außerplanmäigen Aktivitäten der öffentlichen Schulen teilzunehmen. Diese Vorlage ging im Mai unter, als der Gesetzgeber vertagte. Im September wurde im Haus und im Senat eine Rechtsvorlage vorgestellt, die man den Heimschul-Nichtdiskriminierungsakt nennt. Damit sollen Bundesgesetze korrigier werden, die gegen Heimschüler diskriminieren. “Unsere Verfassung erlaubt keine öffentliche Kontrolle über Heimschule,” sagt HSLDA-Präsident Michael Smith. “Aber es gibt eine Menge von Bundesgesetzen, die für öffentliche Schuleinschreibung gelten und Auswirkungen auf Heimschule haben. Da bedarf es an Klarstellung.”

Warum zu Hause unterrichten?

Wenn örtliche Eltern gefragt werden, dann weisen sie auf verschiedene Gründe, warum sie zu Hause unterrichten. Alle sagen sie, daß es der härteste Job war, den sie je hatten. Sabrina Jones, Mutter aus Mt. Juliet unterrichtet ihre 4 Kinder im Alter von 6 bis 12. Sie ist Mitglied der Neues Leben Akademie und ihre Kinder besuchen einmal pro Woche die Gemeinschaftsklasse. “Wir dachten über die öffentlichen Schulen nach,” sagt sie. “Aber ich wollte mehr über die Familien wissen, die mit meinen Kindern sind. Wir dachten, daß der Herr wollte, daß wir zu Hause unterrichten. Es ist schwer zu erklären. Du machst einfach die Augen zu, hältst dir die Nase zu und springst rein. Nun acht Jahre später hat sich die öffentliche Meinung über Heimschule stark verbessert.” Sie fügt an, daß die Vorteile des Hausunterrichts die nähere Bindung zwischen ihr und ihren Kindern ist und die akademischen Vorzüge des zu Hause Unterrichtens. Sicherheit scheint auch ein wesentlicher Faktor zu sein, auf den Eltern hinweisen, wenn sie sich für Heimschule entscheiden. Massenschießereien an verschiedenen Mittel- und Hochschulen überall in der Nation haben viele Eltern veranlaßt, ihre Kinder aus der öffentlichen Bildung herauszunehmen. Sie erwähnen, daß die Besorgnis über Gangs, Vorherrschaft von Drogen und Alkohol oder Einschüchterung sie dazu führte, die Lehrerrolle zu übernehmen. Heimschuleltern erwähnen auch schädlichen Gruppenzwang sowie religiöse und kulturelle Unterschiede als Motivation, der traditionellen Bildung den Rücken zuzukehren. Örtliche Eltern weisen auch auf überfüllte Schulen, hohes Schüler-Lehrer-Verhältnis sowie Studien hin, wonach Heimschüler in Tests besser abschneiden. Die Kombination dieser Gründe begann den Massenexodus hin zum Heimklassenzimmer. Eltern aus verschiedenen wirtschaftlichen und akademischen Hintergründen sehen in Untersuchungen wie Ray’s jüngster 3jähriger Studie von 5.402 Heimschülern aus 1.657 Familien, daß Kinder, die zu Hause unterrichtet wurden einen akademischen Vorteil haben über ihre traditionell beschulten Kameraden. “In allen Fächern und in allen Schulklassen schnitten die Heimschüler deutlich besser ab als ihre Mitschüler an öffentlichen und privaten Schulen,” sagt Ray in seiner Studie. Die Hauptgewinner in nationalen Rechtschreibewettbewerben und in Wissenschaftswettbewerben sind am häufigsten Heimschüler.

Mt. Juliet Editor Laurie Everett.

Anm. d. Übersetzers: Was hier über Homeschooling zu lesen ist, ist für mich Musterschüler für Deutschland, wo bisher versäumt wurde, häusliches Lernen auf ein rechtliches Fundament zu stellen und ordentlich anzuerkennen.

 

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