Sind Baptisten Protestanten?

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Nein. Die Baptisten gehören nicht zu einer der Bewegungen, die sich während oder nach der Reformationszeit von der katholischen Kirche abspalteten wie etwa die Lutheraner, Reformierte, Anglikaner, etc.

Baptisten sind vorreformatorisch und können ihre Herkunft direkt von der ersten Gemeinde Christi in Jerusalem ableiten und somit haben sie eine ungebrochene Existenz von der Zeit Christi bis heute. In Matthäus 16:18 heißt es: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ Hier spricht Jesus davon, daß Er die Gemeinde gründet und sie durch die Zeiten hinweg durch nichts überwältigt wird. Während andere Denominationen von Menschen gegründet worden sind zu irgendeiner bestimmten Zeit, so hat Jesus seine Gemeinde gebaut und die Baptisten leiten ihre Herkunft daher ab. Jesus berief die Apostel. Durch sie entstand die Gemeinde in Jerusalem. Jerusalem gründete Antiochien. Antiochien sandte Missionare und spez. Paulus aus, der weitere Gemeinden gründete. So zieht sich der Pfad durch die Geschichte der Zeit. So gab es durch alle Jahrhunderte Christen, die an den Grundlehren der Bibel festhielten. Sie hießen nicht immer „Baptisten“ i. S. einer institutionellen Konfessionsbezeichnung. Häufig wurden sie von ihren Feinden und Verfolgern nach ihren Führer genannt wie etwa Donatisten, Arnoldisten, Pateriner usw. Diese christlichen Gruppen kristallisierten sich über die Jahrhunderte heraus, während der breite Strom der „Kirche“ in Irrlehren abfiel wie „Wiedergeburt durch Säuglingstaufe“,“Hierarchie & Papsttum“, „Marienkult“, „Fusion von Kirche und Staat“, „Fegefeuer“. Diese Irrlehren haben erst viele Jahrhunderte später die römische Kirche wie Sauerteig durchsäuert.

Kardinal Hosius, ein Katholik und Vorsitzender des Konzils von Trient im Jahre 1524 sagte z. B.: „Wären die Baptisten in den vergangenen 1200 Jahren nicht konsequent ans Messer geliefert worden, würden sie heute in noch größeren Scharen als die Reformatoren herumschwirren.“ Sir Isaac Newton äußerte sich folgendermaßen über die Baptisten: „Die Baptisten sind die einzigen unter den Christen, die sich niemals mit Rom arrangiert haben.“ Mosheim, ein Lutheraner, meint zum selben Thema: „Bevor Luther und Calvin aktiv wurden, gab es in fast allen europäischen Ländern Menschen, die den Prinzipien der modernen holländischen Baptisten strikt treu blieben.“ Und in der presbyterianischen Edinburg Cyclopedia ist zu lesen: „Es wird unseren Lesern schon aufgefallen sein, daß die Baptisten mit jener Sekte von Christen identisch sind, die man früher als Wiedertäufer bezeichnet hat. Dieser Wesenszug scheint von den Tagen Tertullians bis heute tatsächlich ihr markantester gewesen zu sein.“ Tertullian wurde rund 50 Jahre nach dem Tod des Apostels Johannes geboren. Im Jahre 251 brachen die Baptisten jede Beziehung zu den vom Evangelium abgewichenen Gemeinden ab. Sie weigerten sich, die Säuglingstaufe sowie die „Taufe als Mittel zur Erlösung“ zu akzeptieren und erhielten dafür den ältesten aller Spitznamen, nämlich Ana-Baptisten – die Wiedertäufer. Sie halten an der biblischen Lehre der Glaubenstaufe fest, die ein äußeres Zeichen ist, daß wir innerlich durch Gottes Gnade errettet wurden durch den Glauben.

 Im Jahre 313 lud der Kasier Konstantin die Repräsentanten aller Gemeinden zu einem Konzil ein. Die Baptisten folgten dieser Einladung nicht, während viele abgewichene Gemeinden annahmen. Der Kaiser wurde zum Oberhaupt über das Konzil berufen; somit wurde die Gruppe der Gemeinden, die anwesend und als abirrig bekannt war, zur Staatskirche. Der Kaiser stand den Gemeinden weiterhin als Oberhaupt vor, bis Leo II. seine Machtansprüche als direkter Nachfahre des Apostels Petrus geltend machte. So wird deutlich wie der Irrtum hinsichtlich der Gemeindeführung sich zum Papsttum entwickelte. Nicht immer wurde der Name Baptisten verwendet, um Menschen täuferischen Glaubens zu kennzeichnen. Über die Jahrhunderte hinweg wurden Christen baptistischen Glaubens u. a. als Montanisten, Donatisten, Novatianer, Paulizianer, Waldenser oder Albigenser bezeichnet. Diese Namen wurden ihnen häufig von ihren Verfolgern gegeben, denn im finsteren Mittelalter – die Zeit des (un)heiligen römischen Reiches – waren es diese Christen, die oft als Ketzer gebrandmarkt wurden, auf Inquisitionen geschleppt wurden und am Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Viele protestantische Kirchen haben trotz ihres Protestierens immer noch viele katholische Traditionen, Merkmale, Liturgien und Charakterzüge übernommen (pastorale Vorherrschaft, Säuglingstaufe, Besprengen oder Übergießen als Taufhandlung, Lehre von der erlösenden Wirkung der Taufe). Viele protestantische Kirchen sind auch wie die Katholiken zur Staatskirche geworden. Solche Praxis ist unter den Baptisten jedoch nicht vorzufinden. Sie sind eine reine Freikirche.

Die Grundlehren der Baptisten im Sinne des Neuen Testaments sind folgende:

  • Die Gemeinde ist geistlich ausgerichtet, Jesus Christus ihr einziger Gründer, einziges Haupt und Gesetzgeber.
  • Ihre beiden einzigen Ordnungen – die Taufe und das Abendmahl, sind der Erinnerung dienende Symbolhandlungen, die keine rettende Funktion haben.
  • Die Gemeinde vergibt nur zwei Ämter: Aufseher oder Pastoren oder Diakone, die der Gemeinde dienen.
  • Die Gemeindeleitung erfolgt demokratisch, nur exekutiv, nicht legislativ.
  • Die Heilige Schrift ist ihre einzige Grundlage für Vorschriften und Lehre.
  • Die Mitglieder der Gemeinde sind ausschließlich Gläubige, die nicht durch Werke, sondern aus Gnade durch die regenerierende Kraft des Heiligen Geistes gerettet sind.
  • Die Gemeinde verlangt von ihren neuen Mitgliedern, daß sie sich durch vollständiges Untertauchen im Wasser taufen lassen und danach Gehorsam und Treue gegenüber den Vorschriften des NT leben.
  • Die einzelnen Gemeinden sind separat und unabhängig in der Ausübung von Vorschriften und Gemeindezucht und in ihrer Verantwortung vor Gott – aber wirken auch zusammen.
  • Die vollkommene Trennung von Gemeinde und Staat wird angestrebt.
  • Absolute Glaubensfreiheit für jedermann wird verlangt.

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